Allgemein · Liebe · Vergangenheit

Passen 30 Jahre in eine Kiste?

Mein Freund und ich haben einen drei Quadratmeter Keller, der bereits nach Einzug zu platzen drohte. Nach seinem Empfinden lagere ich dort viel zu viele Dinge, die ich doch nieeee mehr brauchen würde.

Ok. Challenge accepted. Eines ruhigen Sonntages machte ich es mir zur Aufgabe, die Kisten, die ich so liebevoll mit „Memories“ beschriftet hatte, auszumisten.

So stand ich vor vier Kisten, deren Inhalt mich an die verschiedensten Erlebnisse meines 30 Jahre langen Lebens erinnerte. Mein Abikleid (hach ja!), der Liebesbrief von Marc in der 6., das Bioheft aus der 10., das dritte Freundschaftsbuch aus der Grundschule. Oder das Geschirr von Oma, die Osterfiguren meiner Tante, meine erste Spielkonsole.

Nein! Davon kann ich doch nichts wegwerfen.

Oder doch?

Das magische an diesen Erinnerungskisten ist doch, dass sie Erinnerungen stärker hervorrufen, als wenn man sich einfach hinsetzen würde und über die Vergangenheit nachdenkt. Ja, mit den gesammelten „Beweisen“ der Vergangenheit kommen Erinnerungen blitzartig zurück.

Aber mein Freund hat auch Recht wenn er sagt, ich kann nicht alles aufbewahren (was ich aber auch nicht mache, dann wären es längst nicht nur 3 Kisten!). Aber ja, ich denke es ist wichtig, dass wir uns auch von Dingen trennen können. Besonders schwer ist das, wenn es sich um Gegenstände von Verstorbenen handelt. Aber ja, auch von diesen kann man nicht den ganzen Hausstand aufbewahren. Das funktioniert einfach nicht und wäre auch nicht gut. Das müssen ja leider oft auch die Protagonisten von „Trödeltrupp“ erfahren. Und wie bei Trödeltrupp sehe ich mich mit mir selbst diskutieren. „Ja aber das war doch…und erinnert mich so sehr…und damals hab ich doch damit…“

Es ist schwer, keine Frage. Aber am Ende des Tages sind es eben doch nur materielle Dinge. Die Erinnerung ist ja trotzdem da und nicht selten helfen auch wenige Dinge bei der erwünschten Blitz-Erinnerung.

Zudem habe ich für mich eine weitere Lösung gefunden: Flohmarkt. Meistens bekommt man für die Sachen, die für einen selbst nicht selten unbezahlbaren Wert haben, nur 1,2€. Aber, es macht es leichter. Das Objekt landet nicht im Müll, sondern lebt irgendwie weiter (Wehe der Käufer behandelt es nicht gut!). Das erwirtschaftete Geld kann man zudem in die Zukunft investieren – z.B. zum Essen gehen, zum Weiterleben braucht der Mensch ja Nahrung. Oha! Nein, ernsthaft – es macht es einfacher, glaubt mir.

Also schaut euch eure Kisten an. Ihr braucht nicht alles, um euch zu erinnern. Behaltet wenig, dass ihr aber gut erreichen könnt, um euch ab und an in die Blitz-Erinnerung zu versetzen. Viel Spaß beim Ausmisten und Erinnern!

Eure 30leben.